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Aktuelles Thema im Wahlkreis: der Wolf

Interview in der Dithmarscher Landeszeitung am 25. Februar 2018:

DLZ: Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage in Sachen Wolf?

Kumbartzky: In Dithmarschen gibt es insgesamt rund 40.000 Schafe. Die Winterweiden der Deichschafe liegen hauptsächlich östlich der B5. Das Restfutter auf den Winterweiden, das nicht einfach so geerntet werden kann, ist existenzwichtig für die Schäfereien – erst recht nach dem Dürresommer 2018. Und hier sind wir beim aktuellen Problem. Die Winterweiden sind für Wölfe ein gedeckter Tisch. Prävention ist hier natürlich wichtig. Aber sie muss auch praktikabel sein. Außerdem halte ich Präventionsmaßnahmen alleine für nicht ausreichend, um der Wolfsproblematik Herr zu werden.

DLZ: Was wäre denn noch vonnöten?

Kumbartzky: Die Zahl der vom Wolf gerissenen Weidetiere steigt bundesweit drastisch. Insbesondere in Südwestholstein. Die zahlreichen Risse verdeutlichen, dass sich das Problem weiter verschärfen wird. Ich bleibe daher dabei: wir brauchen ein pragmatisches Denken im Umgang mit dem Wolf und ein Wolfsmanagement, das auf Sicht auch im Sinne eines aktiven Herdenschutzes arbeiten kann.

DLZ: Dafür müssten Gesetze geändert werden. Umweltminister Albrecht äußert sich da eher zurückhaltend.

Kumbartzky: Ich halte wenig davon, achselzuckend auf die bestehende Gesetzeslage in Bund und EU zu verweisen. Ich wünsche mir da mehr Initiative aus den Bundesländern, um die Gesetzeslage im Bund in Sachen Rechtssicherheit für die Länder endlich anzupassen und den so genannten günstigen Erhaltungszustand des Wolfes als erreicht zu erklären. In der EU bedarf der Schutzstatus des Wolfes einer dringenden Überprüfung. Der Wolf ist in Mitteleuropa keine bedrohte Art. Das angekündigte gemeinsame Vorgehen mit Niedersachsen zum Thema Deichsicherheit ist ein erster sehr dringender Schritt. Aber es müssen weitere Schritte folgen. So sollte der Wolf meiner Meinung nach ins Bundesjagdgesetz aufgenommen werden, um den Jägern genau jene Rechtssicherheit zu gewähren, die wir hier im Land gerade benötigen.

DLZ: Wollen die Jäger das denn?

Kumbartzky: Die verantwortlichen Verbände haben sich mittlerweile dafür ausgesprochen. Davor habe ich großen Respekt. Gerade Jäger werden von Teilen der Gesellschaft sehr kritisch beäugt. Einige selbst ernannte Tierschützer äußern sich in der Anonymität des Internets sehr harsch und unsachlich. Ich finde dies ungeheuerlich. Die Jagd ist gelebter, aktiver Natur- und Artenschutz. Jägern geht es um den Erhalt der Artenvielfalt und eines gesunden Wildtierbestandes. Die Hege der Wildtiere umfasst einen weitaus größeren Bereich als das aktive Management des Bestandes. Für die Arbeit der Jägerschaft wäre es wünschenswert, wenn diese Auffassung eine breitere Unterstützung aus den Reihen der Parteien erhalten würde.

DLZ: Die Aufnahme ins Bundesjagdgesetz ist gerade letzte Woche im Bundestag abgelehnt worden.

Kumbartzky: Die Weidetierhalter haben keine Zeit für den Streit zwischen CDU und SPD auf Bundesebene. Die dringend benötigte Rechtssicherheit für Entnahmen im Rahmen der aktuellen EU-Vorgaben wäre mit der Aufnahme ins Bundesjagdgesetz schon einen deutlichen Schritt vorangekommen. Zusammen mit der Festlegung des günstigen Erhaltungszustandes der Wolfspopulation und dem daraus resultierendes Zusammenspiel von passivem und aktivem Herdenschutz würde den betroffenen Weidetierhaltern zeitnah geholfen können. Für die Akzeptanz des Wolfes in Deutschland, für den Erhalt der Artenvielfalt sowie den Hochwasserschutz durch Weidetierhaltung ist eine Bestandsregulierung beim Wolf meiner Meinung nach sowieso in naher Zukunft notwendig.

DLZ: Schauen wir auf Schleswig-Holstein und das aktuelle Handeln der Landesregierung. Wie beurteilen Sie die Maßnahmen von Minister Albrecht?

Kumbartzky: Die Abschussgenehmigung für den Pinneberger Wolf war absolut richtig. Das war ein mutiger, aber auch notwendiger Schritt. Die geplante Ausweisung von weiteren Präventionsgebieten haben wir zur Kenntnis genommen und werden das, ebenso wie den Ablauf im Pinneberger Fall, zu gegebener Zeit gemeinsam auswerten und daraus resultierende Verbesserungen ableiten. Die Frage bleibt, ob das alles erfolgreich und praktikabel war und ist. Darüber wird auch am Runden Tisch mit den beteiligten Verbänden offen gesprochen werden müssen. Ich begrüße zudem, dass Minister Albrecht das Wolfsmanagement beim Landesamt für ländliche Räume breiter aufstellen und das Monitoring transparenter machen wird.

DLZ: Wie geht es Ihrer Meinung nach weiter?

Kumbartzky: Ich kann mir vorstellen, dass es zeitnah auch in Dithmarschen zu einer Abschussgenehmigung kommen wird, wenn der Wolf sich nicht durch die Präventionsmaßnahmen vertreiben lässt. Dies wird die kommende Weidesaison zeigen, denn unterdessen sind die meisten Weidetiere im Stall. Wir werden vor dem Hintergrund der stark steigenden Wolfspopulation in Deutschland zudem an der weiteren Debatte über eine Bestandsregulierung, eine wildökologische Raumplanung für den Wolf und letztendlich die von der FDP schon länger geforderte Aufnahme des Wolfes ins Bundesjagdgesetz nicht vorbeikommen. Ich wünsche hierfür einen breiten politischen Konsens über die Parteigrenzen hinaus. Wir sollten damit nicht lange warten.